Erfolg und Social Media: Ist Erfolg in unserer Gesellschaft zur Norm und Scheitern zum Einzelfall geworden?

Ist Erfolg zur Norm und Scheitern zum Einzelfall geworden?

Nach einem anstrengenden Tag, an dem nichts so funktionieren wollte, wie ich es mir vorgestellt hatte, liege ich erschöpft in meinem Bett und scrolle durch meinen Instagram Feed. Ein Lächeln nach dem anderen, durchtrainierte Körper in hochwertigen Bikinis und Travel Fotos an den schönsten Orten der Welt finden sich in meinem Feed. Die perfekten (oder besser gesagt: perfekt inszenierten) Fotos stimmen mich nachdenklich. Ja, versetzen mich zugegebenermaßen auch in eine negative Stimmung.

Gibt es da draußen auch noch andere Menschen, deren Leben nicht ausschließlich nach Plan läuft? Menschen, deren Leben nicht ausschließlich aus erfolgreich abgeschlossenen Studien besteht? Menschen, die nicht ausschließlich am Reisen sind und sich tagtäglich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? Menschen, die für Erfolg (egal in welcher Form) hart arbeiten müssen und dennoch das ein oder andere Mal scheitern? Ich bin mir sicher, es gibt sie! Durch die rosa Social Media Wolke sieht es nur so aus, als wäre Scheitern zum Einzelfall und (leicht erarbeiteter) Erfolg zur Norm geworden!

 

Erfolg – Was ist das?

Die Tatsache, dass eine Anstrengung zu einem guten Ergebnis führt und Anerkennung findet.

Das ist Erfolg. Besondere Beachtung sollte man hierbei den Wörtern „Anstrengung“ und „Anerkennung“ schenken. Die Definition erscheint sinnvoll, oder? Irgendwie erscheint sie mir aber doch nicht ganz passend. Heute erscheint es so, als könnte man erfolgreich sein, ohne sich richtig anstrengen zu müssen. Erfolg ist die Norm! Das menschliche Streben nach Anerkennung ist so groß geworden, dass jede kleine positive Entwicklung als riesen Erfolg gefeiert wird. Daran ist auch grundlegend nichts verwerflich. Was meiner Meinung nach aber alles andere als positiv zu erachten ist, ist das falsche Bild von Erfolg, das dadurch vermittelt wird. Was hierbei eine große Rolle spielt? Ganz klar: Social Media!

 

Social Media – Das menschliche Streben nach Anerkennung

Der Mensch liebt es von anderen Menschen ‚bewundert’ zu werden, sich in einem guten Licht darzustellen und eine gewisse Art von Wertschätzung zu erhalten. Viele wollen sich das vielleicht nicht eingestehen, ich bin aber der festen Überzeugung, dass jeder Mensch danach strebt Anerkennung (in welcher Form auch immer!) zu erhalten. Social Media – vor allem Instagram – bietet also die perfekte Platform um sich und das eigene Leben im ‚lime light’ darzustellen. In anderen Worten: Instagram schafft Anerkennung, die im Gegensatz zum realen Leben viel einfacher erhalten werden kann, da sogar fremde Menschen Lob, Komplimente und Glückwünsche aussprechen.

So weit, so gut. Anerkennung zu erhalten schafft Selbstbewusstsein, Motivation und Mut. Allerdings schafft diese übertriebene Selbstdarstellung (die schlussendlich zu Anerkennung führt) ein komplett falsches Bild von Erfolg. Das lässige Beach Foto mit einem luftigen Sommerkleid, das selbstbewusste zur Schau stellen der Bikini Figur, oder das Bade Foto am Montag mit dem Hashtag #mondayfunday sind Momentaufnahmen. Momentaufnahmen des Erfolgs. Momentaufnahmen, die Anerkennung schaffen. Dass für die Bikinifugur zig Stunden im Fitnessstudio nötig waren, dass der Urlaub nur finanziert werden konnte, weil das ganze Jahr über fleißig gearbeitet wurde, oder dass man montags nur freimachen kann, weil man das ganze Wochenende gearbeitet hat, sieht natürlich keiner. Erfolg auf Social Media soll so leicht wie möglich erscheinen. Das ist aber nicht die Realität! Genauso wie früher muss heute für Erfolg (zumindest in 95% der Fälle) hart gearbeitet werden. Den wenigsten Menschen fliegt Erfolg zu. Auch Scheitern und Rückschläge gehören zum Leben. Probleme, Krisen oder Tage, an denen man am liebsten alles hinschmeißen würde, finden aber auf keinen Fall den Weg auf Social Media. Man will ja schließlich nicht als Versager abgestempelt werden. Aber ist Scheitern bzw. Versagen denn überhaupt so schlimm?

 

Scheitern und Erfolg – Ein lebenslanges Zusammenspiel

Um erfolgreich zu sein, muss man mindestens einmal gescheitert sein. Ein Spruch, an dem meiner Meinung nach so viel Wahres dran ist! Scheitern entsteht durch Fehler und aus Fehlern lernt man! Fehler helfen uns dabei, falsche Einstellungen, Annahmen und Aktivitäten zu entlarven und zeigen uns so, was wir nächsten Mal besser machen können. In der heilen Social Media Welt hat Scheitern aber keinen Platz, wodurch die Vorstellung entsteht, Scheitern wäre zum Einzelfall geworden. Das stimmt aber nicht! Auch ich ertappe mich immer wieder, wie ich eine heile (ausschließlich positive) Welt auf Instagram präsentiere, obwohl ich mich alles andere als gut fühle. In den letzten Jahren hat sich Instagram zu der ‚Wolke 7’ im Social Media Universum entwickelt, wobei ausschließlich erfolgreiche Momente geteilt werden. Und das hat auch seine Berechtigung. Wer schaut sich nicht gerne schön inszenierte Fotos von hübschen Männern und Frauen an? Trotzdem sollte man sich vor Augen führen, dass jeder Mensch (auch wenn es nicht so aussieht) schon mal gescheitert ist bzw. es tun wird. Manche werden größere Rückschläge in Kauf nehmen müssen, andere kleinere. Dennoch, egal wie groß das Ausmaß des Scheiterns ist: Scheitern gehört dazu und ist menschlich. Auch in der vermeintlich heilen Instagram Welt!

 

Wenn wir also das nächste Mal in der rosa Social Media Wolke versinken zu drohen, müssen wir uns bewusst machen, dass das Leben nicht nur aus Erfolg, sondern auch aus Niederschlägen besteht. Und das ist gut so! Nur durch das Zusammenspiel von glücklichen und weniger glücklichen Momenten werden wir zu den Menschen, die wir heute sind. Nur so können wir neue Blickwinkel auf Dinge entwickeln. Und nur so werden wir schlussendlich unsere ganz persönlichen Ziele erreichen, die wir dann auch voller Stolz (nach harter Arbeit, Fleiß und Rückschlägen) auf Instagram präsentieren können 😉

 

Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr auch das Gefühl, dass Instagram ein komplett falsches Bild von Erfolg verkörpert? Wie geht ihr mit Niederlagen um? Ich freue mich sehr auf euer Feedback!

xoxo, Theresa

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1 Kommentar

  1. Sylvia
    12. September 2017 / 08:36

    Mir geht es da genauso wie dir. Wenn ich schlecht drauf bin, zieht es mich nur runter durch Instagram oder andere Plattformen zu scrollen. Ich habe dann das Gefühl alle sind besser und erfolgreicher als ich – was ja total Blödsinn ist. Das dann Bloggerin XY mit 3 Chanel Taschen in einer 1-Zimmer Wohnung wohnt, sieht natürlich keiner. Oder das man sich kein Auto leisten kann, weil man dauernd Klamotten kauft. Für mich ist dann die Lösung alles daheim zu lassen und nach draussen an die Luft zu gehen. Da komm ich wieder bei mir selbst an und merke schnell – so schlecht ist mein Leben garnicht. Was ich im schlimmsten Fall (meistens wenn ich krank bin) mache, ist mir Dokus anschauen aus ärmeren Teilen der Welt. Klingt blöd, hilft mir aber meinen Jammer-Modus in den Griff zu kriegen und dankbar für eine lächerliche Grippe zu sein.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at – Fotografie & Reiseblog

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Theresa | Blogger & Editor in Chief

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